Österreich – meine ganz persönliche Abrechnung als Natufotografin

Es fällt mir nicht leicht, das zu schreiben. Denn ich liebe Österreich. Ich liebe die Berge, die Seen, die Almen und die unzähligen Fotomotive. Einige meiner schönsten Bilder sind dort entstanden. Eigentlich müsste ich ständig in meinem Nachbarland sein. Doch inzwischen frage ich mich immer öfter: Will Österreich überhaupt noch Naturfotografen wie mich?
Vor Kurzem wurden wir mitten in der Nacht von drei Polizisten geweckt. Ein Klopfen an der Scheibe, ein harscher Ton, Ausweise zeigen und am Ende eine Strafe von 140 Euro, weil wir im Auto geschlafen hatten. Es gab auch kein Verbotsschild vor Ort, das wurde laut Aussage der Polizei geklaut. Kein Campingtisch. Keine Stühle. Kein Müll. Kein Lärm. Wir wollten einfach nur im Auto schlafen auf einem normalen Parkplatz, damit wir zum Sonnenaufgang rechtzeitig am Fotospot sind. Das ist anscheinend in ganz Tirol verboten. Genau das ist nämlich das Problem. In Deutschland und vielen EU-Ländern ist das einmalige Übernachten im Auto geduldet. Das Wildcampen natürlich nicht.

Als Naturfotografin arbeite ich dann, wenn andere noch schlafen oder längst im Bett sind. Das beste Licht gibt es vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Dafür muss ich in der Nähe meiner Fotospots mit dem Auto parken. Doch genau das wird einem in Österreich immer schwerer gemacht.

Parkplätze? Naja!
Parkplätze verschwinden, überall stehen neue Verbotsschilder oder zeitliche Einschränkungen. Auf unzähligen Schildern wird mit Bußgeldern von bis zu 2.000 Euro, dem Abschleppen von Fahrzeugen oder weiteren Besitzstörungsklagen gedroht. Gerade zu den Randzeiten, wenn Fotografen unterwegs sind, darf man vielerorts nicht mal mehr parken. Auch Besitzstörungsklagen sind in meinem Augen nur Geldmacherei. Selbst wenn man niemanden behindert, hat man oft das Gefühl, jederzeit eine teure Forderung im Briefkasten haben zu können. Einen interessanten Beitrag hierzu gibt es hier.

"Dann geh doch auf den Campingplatz", höre ich oft. Das klingt gut – funktioniert in der Praxis aber selten. Zum einen gibt es in vielen Regionen in Tirol nur wenige Campingplätze, die teilweise zwei Stunden oder noch weiter vom eigentlichen Fotospot entfernt liegen. Ich würde ja noch früher losfahren, aber zum anderen haben viele Campingplätze Regeln, die mit der Naturfotografie schlicht nicht vereinbar sind. Oft darf man morgens vor 7 Uhr den Platz gar nicht verlassen oder muss spätestens um 22 Uhr wieder zurück sein, weil Nachtruhe gilt und die Schranke geschlossen wird.

Wenn die Milchstraße erst nach Mitternacht fotografierbar ist? Wenn das beste Morgenlicht um 5 Uhr beginnt? Oder wenn ich nach einem Sonnenuntergang erst um 22:30 Uhr vom Berg zurückkomme? Was soll ich dann machen, wenn ich den Campingplatz nicht verlassen und auf dem Wanderparkplatz nicht parken darf??
In die Schranken gewiesen
Naturfotografie richtet sich nun einmal nicht nach Schranken oder Öffnungszeiten.
Ich verstehe, dass Österreich seine Natur schützen möchte. Das finde ich richtig. Ich verstehe auch, dass Wildcampen nicht überall erlaubt sein kann. Aber ich wünsche mir mehr Augenmaß. Zwischen jemandem, der seinen Müll hinterlässt und Party macht, und einem Naturfotografen, der eine Nacht im Auto schläft und morgens wieder ohne Spuren verschwindet, gibt es einen gewaltigen Unterschied.
Im Moment habe ich leider immer häufiger das Gefühl, dass man in Österreich vor allem eines nicht soll: irgendwo stehen. Zahlen darf man hingegen für alles. Maut hier, Maut dort, Tunnelgebühren hier etc. Die Liste der zusätzlich zu zahlenden Straßen und Tunnel ist lang. Teilweise darf man diese Wege ebenfalls nicht zu jeder Uhrzeit befahren...

Dabei wäre die Lösung gar nicht so kompliziert. Mehr legale Stellplätze für eine Nacht, ausgewiesene Parkmöglichkeiten an beliebten Wander- und Fotogebieten oder einfache Regeln für rücksichtsvolle Übernachtungen würden allen helfen – den Gemeinden, dem Tourismus und den Menschen, die die Natur lieben. Denn genau das möchte ich.
Ich möchte keine Regeln umgehen. Ich möchte keine Natur zerstören. Ich möchte einfach nur dort sein, wenn die Berge im ersten Sonnenlicht glühen, wenn Nebel durch die Täler zieht oder die Milchstraße über den Gipfeln tanzt. Doch genau das macht Österreich mir inzwischen immer schwerer. Und das macht mich ehrlich gesagt traurig und ein Stück weit wütend.




