Sonnenfinsternis in den Chiemgauer Alpen

Es gibt diese Bilder, die man nicht einfach nur fotografiert. Für die man früh aufsteht, lange läuft, schwitzt, zweifelt – und am Ende für ein paar Minuten alles vergessen ist.
Die Sonnenfinsternis am 12. August war für mich genau so ein Erlebnis.
Schon der Aufstieg hatte es in sich. Die Temperaturen waren wie die letzten Tage extrem heiß, der Rucksack schwer und der Weg nach oben deutlich länger, als es sich auf der Karte zunächst angefühlt hatte. Während die Sonne unbarmherzig vom Himmel brannte, wurde mir immer wieder bewusst, dass ich mir diesen Platz nicht einfach mal eben aussuchen konnte. Ich musste ihn mir erarbeiten. Aber genau das war auch der Reiz. Natürlich auch in der Hoffnung weniger Menschen anzutreffen, als anderswo.

Denn ich wollte nicht einfach nur die Sonnenfinsternis fotografieren. Ein Foto von der teilweise verdunkelten Sonne bekommt man an vielen Orten. Ich wollte ein Bild, das die Landschaft der Chiemgauer Alpen und dem Chiemsee mit diesem seltenen Himmelsereignis verbindet.
Nicht nur die Sonne sollte im Mittelpunkt stehen
Meine Bildidee stand deshalb schon lange vor dem Aufstieg fest: Die Sonnenfinsternis sollte nicht isoliert am Himmel stehen, sondern Teil einer Landschaft werden.
Ich wollte einen markanten Vordergrund, der dem Bild Tiefe gibt und gleichzeitig erzählt, wo ich diesen besonderen Moment erlebt habe. Der Chiemsee, ein Gipfelkreuz und die Silhouetten der Chiemgauer Alpen sollten zusammen mit der Sonne eine Bildkomposition ergeben.


Das bedeutete allerdings auch, dass der Standort genau passen musste.
Ein paar Meter weiter links oder rechts – und der Vordergrund funktioniert nicht mehr. Ein anderer Standpunkt – und die Sonne steht an der falschen Stelle. Bei einem solchen Motiv kann man nicht einfach nachträglich alles in Photoshop zurechtrücken. Die Komposition muss vor Ort entstehen.
Warten auf den besonderen Moment

Oben angekommen, war die Anstrengung zunächst vergessen. Der Blick über die Berge, die ungewöhnliche Stimmung und das Wissen, dass gleich etwas passieren würde, machten die Hitze plötzlich nebensächlich. Wir waren früh vor Ort, und nach ca. einer Stunde des Wartens begann sich das Licht zu verändern.

Es war nicht einfach nur dunkler. Die gesamte Atmosphäre fühlte sich anders an. Das Licht wurde eigenartig, die Landschaft wirkte stiller und gleichzeitig intensiver. Und während ich immer wieder die Kamera kontrollierte, wusste ich: Jetzt muss alles passen.
Kameraeinstellungen, Fokus, Bildausschnitt – und vor allem der richtige Moment.

Als ich schließlich die Fotos auf dem Display sah, wusste ich, dass sich der lange Aufstieg gelohnt hatte. Ich arbeitet mit zwei Kameras, Tele und Weitwinkel.
Es war nicht einfach nur ein Foto von einer Sonnenfinsternis. Es war die Verbindung aus einem außergewöhnlichen Himmelsereignis und der Landschaft, die für mich Heimat und Abenteuer zugleich bedeutet: den Chiemgauer Alpen.
An die Hitze, den langen Aufstieg, den schweren Rucksack. das Warten und schließlich diesen einen besonderen Moment, als der Schatten des Mondes über die Landschaft zog.
Dafür läuft man gerne ein paar Höhenmeter mehr. Müde aber glücklich war ich gegen Mitternacht wieder Zuhause.




