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Das war das Jahr 2025

  • Autorenbild: Pia Steen
    Pia Steen
  • vor 4 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

2025 war ein Jahr der Wege, des Lichts und der stillen Momente hinter dem Sucher. Ein Jahr, in dem ich Landschaft nicht nur gesehen, sondern Schicht für Schicht erlebt habe – im Wind, im Wasserrauschen, im ersten und letzten Licht des Tages.


Den Anfang machte die wunderschöne Bretagne. Dort, wo der Atlantik unermüdlich gegen dunkle Felsen schlägt und der Himmel schneller seine Stimmung wechselt als irgendwo sonst, lernte ich wieder, Geduld zu haben. Zwischen Leuchttürmen, salziger Gischt und endlosen Horizonten wartete ich auf jene kurzen Augenblicke, in denen die Sonne das Meer für Sekunden wie flüssiges Metall glänzen lässt. Die Bretagne war lieblich, bunt und groß – und genau deshalb so fotogen.


Ein friedlicher Abend an der bretonischen Küste
Ein friedlicher Abend an der bretonischen Küste
Wild schlägt der Atlantik gegen die Felsen
Wild schlägt der Atlantik gegen die Felsen
Die Sonne geht langsam unter
Die Sonne geht langsam unter

Ein starker Kontrast dazu waren die Klammen in Österreich. Enge Schluchten, kalter Fels, Wasser, das sich seit Jahrtausenden seinen Weg bahnt. Hier wurde das Fotografieren leise und konzentriert: lange Belichtungen, ruhiger Atem, vorsichtige Schritte auf nassem Stein und engen Stegen. Das Licht fiel nur in schmalen Bändern von oben herab und verwandelte jeden Sprühnebel in etwas fast Magisches. Die Welt bestand plötzlich nur noch aus Fels, Wasser und Zeit.

Tolles Licht am Abend
Tolles Licht am Abend
Tiefe Blicke in die Schluchten
Tiefe Blicke in die Schluchten

Zwischendurch führten mich viele Wege in die heimischen Berge. Vielleicht waren es gerade diese vertrauten Landschaften, die mich am meisten berührten. Ich kannte die Pfade, die Silhouetten der Gipfel, die Stellen, an denen die Sonne zuerst erscheint. Und doch war kein Morgen oder Abend wie der andere. Nebel zog durch Täler, Alpenglühen färbte Felsen rot, und es gab sogar die eine oder andere Nebelwelle.


Gratwanderung in den heimischen Bergen
Gratwanderung in den heimischen Bergen
Die Chiemgauer Nebelwelle hatte es sogar in die Zeitung geschafft
Die Chiemgauer Nebelwelle hatte es sogar in die Zeitung geschafft

Im Rosenlaui in der Schweiz kehrte das Staunen zurück. Das Tal dort wirkte wie aus einer anderen Welt: grüne Alpwiesen, knorrige gelbe Ahornbäume, tiefblaue Gletscher, türkisfarbenes Wasser, glatt geschliffene Felsformen... Jeder Schritt eröffnete neue Perspektiven, jedes Motiv schien bereits perfekt komponiert. Es war einer dieser Orte, an denen man die Kamera kaum senken möchte, aus Angst, etwas zu verpassen. Vor allem der Herbst rückte dieses Tal in ein einmalig schönes Licht.


Herbst, wie er schöner nicht sein kann
Herbst, wie er schöner nicht sein kann
Urige Alphütten zieren meinen Weg
Urige Alphütten zieren meinen Weg
Eingeklemmt zwischen den Wänden hängt ein großer Felsbrocken
Eingeklemmt zwischen den Wänden hängt ein großer Felsbrocken

Ruhiger, weiter und weicher präsentierte sich das Emmental. Hügel, Höfe, Nebelschwaden – eine Landschaft ohne Drama, aber voller Stimmung. Hier ging es weniger um spektakuläre Motive als um Zwischentöne: Linien im Gras, Licht auf Holzdächern, der langsame Rhythmus eines Morgens auf dem Land. Bilder, die nicht laut sind, aber lange nachklingen.


Ein Postkartenmotiv
Ein Postkartenmotiv
Die lieblichen Bauernhöfe im Emmental
Die lieblichen Bauernhöfe im Emmental

Den Abschluss bildeten die Dolomiten im Herbst. Ein würdiger Höhepunkt. Goldene Lärchen vor grauen Bergen, kalte, klare Luft und ein Himmel, der an manchen Tagen wie gemalt wirkte. Sonnenaufgänge auf der Alm, lange Schatten in den Tälern und Abende, in denen die Berge langsam im Blau verschwanden. Dort wurde mir bewusst, wie sehr mich dieses Jahr geprägt hatte – nicht nur fotografisch, sondern auch innerlich.


Bilderbuchhaft präsentiert sich das Panorama
Bilderbuchhaft präsentiert sich das Panorama

Wunderschöner Nebel und Streiflicht auf der Seiseralm
Wunderschöner Nebel und Streiflicht auf der Seiseralm
Immer wieder gibt der Nebel den Blick auf die Felsen frei
Immer wieder gibt der Nebel den Blick auf die Felsen frei

Ein ganz anderer, unerwarteter Höhepunkt ereignete sich jedoch näher an der Heimat: eine Nacht mit Polarlichtern im Chiemgau. Eigentlich war es nur ein vorsichtiger Blick auf die Vorhersage, dann das Zögern – und schließlich das Hinausfahren in die Dunkelheit der Nacht. Als sich die ersten roten Schleier am Himmel zeigten, war plötzlich jede Müdigkeit vergessen. Zwischen Wiesen und stillen Hügeln zeigte sich das Licht, schwach und doch eindeutig, fremd und zugleich überwältigend. Die Kamera klickte fast ehrfürchtig, während über mir ein Himmel leuchtete, den man hier kaum zu sehen erwartet. Diese Nacht fühlte sich an wie ein Geschenk – kurz, kalt und vollkommen unwirklich.


Polarlichter Dahoam
Polarlichter Dahoam
Eisig kalt war es in dieser Novembernacht. Aber wunderschön
Eisig kalt war es in dieser Novembernacht. Aber wunderschön

Nicht unerwähnt bleiben darf auch ein großer Einschnitt abseits der Fotografie: mein Umzug in ein eigenes Haus am Chiemsee. Kisten statt Kamerarucksack, Renovieren statt Sonnenaufgang, Organisieren statt Reisen – über viele Wochen bestimmte ein ganz anderer Rhythmus meinen Alltag. Einige geplante Fototouren mussten deshalb verschoben oder ganz gestrichen werden. Manchmal fiel es schwer, die Kamera stehen zu lassen, wenn neue Ziele bereits im Kopf entstanden waren. Gleichzeitig brachte dieser Schritt Ruhe, Erdung und das Gefühl, angekommen zu sein – ein neuer Ausgangspunkt für alles, was noch kommen darf.


2025 bleibt für mich ein Mosaik aus Küstenwind, Bergstille, Wasserrauschen, Herbstlicht und Neuanfang. Gesammelt in Speicherkarten, aber noch viel mehr im Kopf und im Gefühl. Ein Jahr, das gezeigt hat, dass Fotografie nicht nur aus Bildern besteht, sondern aus Wegen, Warten und dem stillen Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

 
 
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